Im Blog Limburg-Mangu schreibe ich über meine Aufenthalte in Kenia, speziell in dem kleinen Ort Mang'u, der sich ca 50km nördlich
von Nairobi befindet.
Mang'u besteht hauptächlich aus einer langen Strasse, auf deren beiden Seiten sich, meist hinter Maisanpflanzungen, die Häuser
der dort lebenden Familien befinden. Weiter gibt es noch an einer Strassenkreuzung einen kleinen Marktflecken mit Obst- und
Gemüseständen, einem Metzger, einem Friseur, einer kleinen Tankstelle, einer Art Baumarkt einem Kiosk und einem Internet Cafe.
Daneben sind hier auch noch einige Schulen angesiedelt.

Achja...eine Kneipe gibts auch noch.

Mittwoch, 7. November 2012

Ein Tag im Shop





Gegen 7:30 Uhr, noch vor dem Frühstück, öffne ich den Laden, stelle das Wechselgeld ins Regal und setze mich auf den Stuhl hinter der Theke.
Der Himmel ist noch wolkenverhangen und von irgendwoher hört man einen Hahn krähen.
Einzelne Leute gehen die Strasse hnauf und hinab und die Matatus haben schon seit gut einer Stunde den Pendelverkehr zwischen Kamwangi und Thika aufgenommen.
Meine erste Kundin an diesem Morgen möchte Airtime, also Gesprächsguthaben für ihr Mobiltelefon kaufen. 20 Schilling wechseln den besitzer und ich rubble den Code auf der Karte gleich für sie frei. Während sie mit einer Hand ihr Telefon auflädt geht sie mit ihrem Sohn zur Strasse umd dort auf ein Matatu zu warten, das hren Sohn zu Schule bringen wird.
Nach ca 10 Minuten hält ein Wagen an, die Mutter verstaut den Kleinen im Auto und schnell ist der Wagen verschwunden.

Die ersten Sonnenstrahlen kommen hervor und ein Webervogel Pärchen sitzt vor meinem Fenster und beäugt vorsichtig die Umgebung. Das Männchen fliegt zu einer Bananenstaude und pickt an der Blüte herum.

Ich bekomme mein Frühstück gebracht. Es besteht aus einem großen Pott Tee, Mandasi und Avocado.
Mandasi ist ein Gebäck ähnlich unserer Kreppel oder Krapfen. Allerdings sind sie nicht süss.

Ein Vogel ähnlich einer Bachstelze läuft auf der Suche nach Futter über den Weg vor dem Shop und hüpft hinter Fliegen her, bis er aus meinem Blickfeld verschwunden ist.





3 Männer kommen den Weg hoch und verlangen Sportsman, eine hiesige Zigarettenarke. Leider Sind im Moment die Zigaretten ausverkauft und der Nachschub noch nicht eingetroffen.
Also müssen die Männer erstmal auf ihre Zigaretten und ich auf den Umsatz verzichten.

Eine Mutter bleibt am Strassenrand stehen, ihre kleine Tochter kommt zum Shop und erlangt etwas, das sich wie Chewing Gum (Kaugummi) anhört. Ich frage sicherheitshalbe nochmal nach.
Das ist für die Kleine offensichtlich zu viel. Sie dreht sich um und läuft weinend zu ihrer Mutter. Ein Mzungu (Weisser) der auch noch spricht scheint ihr nicht geheuer.
Beide kommen jetzt zusammen zu mir und es klärt sich auf, sie will tatsächlich ein Kaugummi und bekommt es natürlich auch.
Zufrieden Kaugummi kauend zieht die Kleine, zusammen mit ihrer Mutter die noch in Baby im Wickeltuch auf dem Rücken trägt, weiter

Meine Bachstelze ist wieder da. Sie stolziert vor meinem Fenster hin und her, pickt mal hier, mal dort im Boden herum und verschwindet dann wieder im hohen Gras.

Die Tochter eines Nachbarn verlangt Airtime für 20 Schilling, hat aber kein Geld dabei, verspricht aber auf dem Rückweg zu zahlen. Da sie zuverlässig ist und auch öfters kauft, bekommt sie die Karte.

Ich spiele eine Runde Sudoku auf meinem Mobiltelefon, als die nächste Kundin schon zum zweiten Mal nach Zigaretten fragt. Leider habe ich immer noch keine bekommen.

Um 12:30 Uhr ist die Lieferung mit den Zigaretten da, jetzt könnten die Kunden kommen.
Die Frau die schon zweimal nachfragte, dürfte aber auch beim nächsten Mal enttäuscht werden, da ihre Marke nicht dabei ist.

Die Zigaretten, die wir verkaufen, werden in Kenia hergestellt und eine Schachtel mit 20 Zigaretten kostet 80 bzw 100 Schilling. Allerdings kaufen die meisten Kunden die Zigaretten
stückweise, maximal 4 Stück auf einmal. Tatsächlich kommt nun ein Kunde und verlangt gleich 10 Zigaretten, also eine halbe Schachtel, auf einmal...das ist neuer Rekord.

13:55 Uhr Die Schule ist offenbar aus, die Kinder eines Nachbarn kommen vorbei und winken mir hinter meinem Fenster zu.

Der nächate Zigarettenkunde verlangt 4 Stück für insgesamt 20 Schilling, bezahlt aber mit einem 1000 Ksh Schein. Also muss ich erstmal Wechselgeld holen. Aber hier ist man geduldig und ich bin ja auch nach 2 Minuten wieder zurück.

Auf der Strasse fährt ein Mann mit einem Eselskarren vorbei. Er transportiert Futtergras zu seinem Auftraggeber.
Eselskarren sieht man hier öfters. Der Transport dauert zwar etwas länger, ist aber um einiges billiger als mit dem Auto.

Heute sind auf der Strasse viele Leute zu Fuss unterwegs, die ich hier noch nie gesehen habe.. Einen Kunden, der bei mir eine Limo trinkt, frage ich nach dem Grund.
Es ist eine Beerdigung in der Nachbarschaft. Der Grossvater der Besitzerein des Internet Cafes in Mangu, ist im Alter von 96 Jahren gestorben und heute ist die Verwandtschaft aus nah und fern angereist.

Vom nächsten Kunden, einem Stammkunde der jeden Tag seine 2 Sportsman Zigaretten kauft, bekomme ich noch schnell einen Auffrischungskurs im Zählen in 10er Schritten bis 100 in Kisuaheli. kumi (10), ishirini (20), thelathini (30), arobaini (40), hamsini(50), sitini(60), sabini(70),themanini(80), tisini(90), mia moja(100).

Mit einer kenianischen Münze muss man aufpassen. Es handelt sich um ein 40 Schilling Stück. Diese Münze ist sehr leicht mit der 20 Schilling Münze zu verwechseln, da der Grössenunterschied sehr gering ist.
Der nächste Kunde bezahlt genau mit einer solchen Münze, weisst aber vorsorglich gleich auf die Besonderheit hin. Offensichtlich hat er schon schlechte Erfahrungen machen müssen.

Ein Motorrad kommt auf den Shop zugefahren. John, so stellt sich der Fahrer vor, ist ein Musiker und möchte seine CD verkaufen. Wir unterhalten uns eine Weile über kenianische Musik und Kultur und den Unterschied zu Deutschland. Am Ende kaufe ich zwar keine CD, bekomme aber die Erlaubnis von ihm, sein Bild in meinem Blog zu verwenden.


Ein anderer fliegender Händler taucht auf und bietet Taschentücher, Bleistifte und Kugelschreiber an. Wir sind aber bestens damit versorgt und so zieht er mit seinen Waren zum nächsten potentiellen Kunden weiter.

17 Uhr  Die Schule der grösseren Kinder ist zu Ende und Gruppen von Schülerinnen und Schülern kommen auf der Stasse vorbei. Einige kennen mich und winken mir zu.

18 Uhr Ein Sack Kartoffeln wird geliefert, gerade rechtzeitig denn gegen Abend steigt die Nachfrage danach.

19 Uhr Es ist mittlerweile komplett dunkel und die ersten Käufer von Kartoffeln und Feuerholz waren schon da. Auch Avocados werden verlangt, aber die sind mittlerweile alle weg.
Jetzt kommen noch einige, die Kerosin für ihre Beleuchtung benötigen. Es gibt hier zwar eine elektrische Stromversorgung, viele können sich einen Anschluss an das Netz nicht leisten. Noch eine Stunde, dann schlessen wir den Shop für heute.